Jetzt sitzt doch endlich mal still

Simon Schubert
Von Simon M.C. Schubert / 22. November 2017

Schaut man sich kleine Kinder an, so haben die meisten einen ausgeprägten Bewegungstrieb. Sie wollen sich bewegen, krabbeln, laufen, klettern, buddeln, spielen, einfach etwas machen. Es ist total natürlich und wichtig, für die Entwicklung der Kinder.


Doch dann werden sie eingeschult. Sie müssen Stunden um Stunden ruhig auf dem Stuhl sitzen. Das ändert sich im Studium nicht und für die meisten auch nicht im Job. Wir verbringen die meiste Zeit unseres Lebens drinnen, ohne uns viel bewegen zu müssen.


Wir brauchen Bewegung

In einer Welt, in der wir uns sowieso schon viel zu wenig bewegen, verpassen wir kaum eine Möglichkeit, uns hinzusetzen. Am Abend nach der Arbeit müssen wir es uns erst mal "gut gehen lassen“ und uns ausruhen. Endlich abschalten und nichts tun. Entspannung ist gut und wichtig, aber dann bitte richtig und im richtigen Maße.

Sich Ausruhen und nichts tun war früher Luxus. Schließlich gab es immer Arbeit zu erledigen. Heutzutage besteht nur noch selten die Notwendigkeit, sich wirklich körperlich zu betätigen, daher besteht auch ein geringerer Bedarf, sich körperlich auszuruhen. So wie wir ein Überfluss an Essen haben, haben wir einen Mangel an Bewegung. Und genauso wie uns Überernährung krank macht, tut es zu wenig Bewegung auch.

Bei vielen ist die Beziehung zur Bewegung völlig verschoben. Sie sehen Anstrengung als etwas Schlechtes. Und auch gesellschaftlich stimmt das Bild noch nicht mit dem überein, wie es gut für uns wäre. Nehmen wir einfach nur die Tatsache, dass es als höflich gilt, jemandem gleich einen Stuhl anzubieten. Schließlich wollen wir auch, dass er es bequem hat und es ihm gut geht. Im Prinzip erst mal verständlich. Aber ist das auch sinnvoll und gut für uns? Ich möchte mich nicht ständig hinsetzen. Ich sitze sowieso schon zu viel, da genieße ich es, auch mal zu stehen. Mir ist bewusst, dass es teilweise ungemütlich wirkt. Aber vielleicht brauchen wir einfach mehr Stehtische? Mit der Zeit würden wir uns sicherlich daran gewöhnen. Wenn uns wirklich etwas an unserem Gegenüber liegt, sollten wir vielleicht lieber vorschlagen, einem kleinen Spaziergang zu machen und sich dabei zu unterhalten.


ABER BRAUCHEN WIR WIRKLICH SO VIEL BEWEGUNG?

Schauen wir uns das Ganze von einer anderen Perspektive an: Wenn man krank ist, zieht man sich zurück, geht ins Bett und bewegt sich äußerst wenig. Zumindest habe ich bisher noch wenige Menschen gesehen, die mit Fieber freudestrahlend durch die Luft gesprungen sind. Wenn wir krank sind, werden wir automatisch weniger aktiv.

Umgekehrt funktioniert das Ganze aber auch! Wenn wir nicht körperlich aktiv sind, kann das negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben. Ich sage mit Absicht "kann", da du nicht sofort Tod umfallen wirst, wenn du einen Sonntag auf der Couch verbringst. Aber ein starker Mangel an Bewegung wird sich auf Dauer unweigerlich negativ auf deine Gesundheit auswirken. Punkt.

Zu wenig Bewegung macht uns krank.

Wir brauchen einfach Widerstand. Kräfte, die auf uns einwirken und die wir selber erzeugen. So funktioniert unser Körper nun mal.

Dabei ist es schwierig, ein genaues Minimum an Bewegung festzulegen. Zur Prävention verschiedener verhaltensbedingter Krankheiten wird oft ein wöchentlicher Bewegungsumfang von 2000 - 3000 kcal angegeben. Alleine durch tägliche körperliche Betätigung mit einem Energieverbrauch von 300 kcal können wir unsere Lebenserwartung signifikant positiv beeinflussen.


Doch warum sollte ich mich am Minimum orientieren?

Sicherlich, ich kann mich täglich 30 Minuten irgendwie bewegen. Ich kann 2x pro Woche moderat laufen gehen. Das ist gut. Aber doch weit vom Optimum entfernt.
Ich will mehr als das. Ich will nicht überleben, sondern leben! Nicht nur Krankheit vermeiden, sondern fit sein. Was fit sein auch immer bedeuten mag.

Es ist, als würden alle 2 Tabletten mit Lebensqualität bekommen. Sicherlich würden einige damit zufrieden sein. Denn hey, immerhin ist es Lebensqualität in einer Kapsel! Aber ich würde doch schauen, ob ich nicht noch eine 3., 4. oder sogar 5. Kapseln einnehmen kann.

Und bevor jetzt einige gleich demotiviert sind, da es so anstrengend ist oder ihnen einfach keinen Spaß macht. Wir müssen nicht gleich nach den Sternen greifen. Manchmal ist es besser, mit dem Minimum anzufangen und dann langsam zu steigern. Sieh es als Ansporn und Motivation, mehr Aktivität in deinen Alltag zu integrieren. Finde den alten Bewegungstrieb eines kleinen Kindes wieder.

Damit meine ich nicht unbedingt, dass du durch die Straßen rennen und auf jeden Baum klettern sollst, aber suche dir etwas, was dir Spaß macht! Denn Bewegung ist Leben. 

Über den Autor

Simon M.C. Schubert

Simon Schubert ist studierter Gesundheitsmanager, Personal Trainer und Präventionsexperte.


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