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Wie Job, Gesundheit und Glück zusammenhängen

Linh Le
Von Linh Le / 23. Mai 2018
Wie Job, Gesundheit und Glück zusammenhängen

Wie kommt man eigentlich zu seiner Jobwahl?

Als Schulabgänger ist man in der Regel zwischen 16 und 19 Jahre alt und hat noch nicht wirklich eine Idee davon, wie es ist, in einem Job zu arbeiten. Welche Jobs gibt es eigentlich? Welche Ausbildung oder welches Studium bräuchte man dazu? Worin ist man gut? Beschäftigt man sich schon mit der Frage, ob man angestellt oder selbstständig arbeiten möchte?

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Bei meiner Abi-Abschlussfeier hat uns eine weise Lehrerin den Rat mit auf den Weg gegeben, unser Studium nicht nach einem vermeintlich hohen Gehalt auszuwählen, sondern nach dem, wo wir unsere Leidenschaft sehen und worin wir Freude haben. Und damals hatte ich noch keinen blassen Schimmer davon, wie wahr ihre Worte sind.

Zu meinen Abizeiten riet man uns, ins BIZ (Berufsinformationszentrum) zu gehen und uns aus dem Katalog eine der aufgelisteten Berufe auszuwählen. Aus einer asiatischen Familie stammend, kannte ich das Bild von angesehenen Berufen wie Lehrer, Arzt, Ingenieur, Anwalt, etc. Anfänglich wollte ich auch Medizin studieren, aber nicht aus dem Grund, um hohes Ansehen zu erlangen, sondern aus dem Grund, Menschen von Leiden zu befreien.

Wie hast du deinen Job gewählt? War dabei das Gehalt ein wichtiges Kriterium? Gibt es den Job eigentlich, den du gerne machen würdest?


Abschluss erlangt – der erste Job

Wie das Leben so wollte, reichte mein NC nicht für ein Medizinstudium und ich habe mich für ein vermeintliches Biotechnologie-Studium in Hamburg eingeschrieben. Während des Studiums merkte ich jedoch, dass es sich um ein Verfahrenstechnik-Studium handelte und ich somit Ingenieurin werden sollte. Ja, so blauäugig und unbeholfen ging ich damals die Dinge an. Ich hatte mich im Studium in meine erste große Liebe verliebt und bin somit in Hamburg geblieben. Und so habe ich das Studium mit ihm zusammen auch erstaunlicherweise gut abgeschlossen. 

Nach sechs Jahren Studium fernab der Heimat, wollte ich zurück nach Hause, nach Berlin. Jedoch hatte es uns durch die Jobwahl meines Partners zunächst in den Süden Deutschlands verschlagen, nach Baden-Württemberg. Dort angekommen merkte ich, dass die Stadt, in die ich zog und der Job, in dem ich arbeitete, mich nicht glücklich machten. Ich habe jeden freien Tag genutzt, um in die Heimat zu reisen. Und zum Feierabend gab die Stadt nichts her, um sich zu vergnügen. Stattdessen hatte ich ständig nur rumgenörgelt, wie unglücklich ich auf Arbeit und mit der Umgebung war.

Bist du in deinem ersten Job und hast dich schon einmal gefragt, ob er dich glücklich macht? Ist es das, was du dir vorgestellt hast? Bist du durch den Job an einen Ort gelandet, an dem du eigentlich nicht sein willst?


Geld allein macht nicht glücklich

Mein Körper reagierte mit Antriebslosigkeit, Schlaflosigkeit, ich war abgemagert, ständig traurig und den Tränen nahe, hatte Heimweh und keine Lust auf Sex. Mir wurde schnell klar, dass das nicht das Leben war, das ich gewählt hatte, sondern das meines Freundes. Ich hatte von dem vielen Geld, das ich dort verdient hatte nichts, da mir die Menschen und die Möglichkeiten fehlten, die ich in meiner Heimat hatte. Geld allein macht nicht glücklich – das war mein erstes großes Learning. Als ich für mich feststellte, dass ich ohne meinen Freund in meiner Heimat Berlin glücklicher wäre als mit ihm in seiner neuen Wahlheimat, stand der Entschluss fest: Ich musste kündigen und zurück nach Berlin gehen – dort, wo meine Familie und meine Freunde auf mich warteten.

Lebst du in einer Umgebung, in der du dich wohl fühlst? Ist Geld der alleinige Grund, warum du noch deinen Job machst? Ist es tatsächlich Lohn oder viel mehr “Schmerzensgeld”?


Angst vor dem Ungewissen?

Zu der Zeit hatte ich mit Befürchtungen zu kämpfen, dass ich in Berlin nur schwer an einen Ingenieursjob komme – und schon gar nicht mit dem Gehalt, wie ich es aus dem Süden kannte. Nichtsdestotrotz, habe ich meine Koffer gepackt und gekündigt – ohne einen neuen Job in Aussicht zu haben. Nach sechs Jahren Beziehung war das eine schmerzvolle Entscheidung, nachdem ich mit Ängsten vor Einsamkeit zu kämpfen hatte. Diese Entscheidung musste jedoch gefällt werden – für meine eigene Gesundheit und für mein eigenes Glück. Ich konnte nicht viel zum Glück unserer damaligen Beziehung beitragen, weil ich selbst nicht ausreichend glücklich war. Zudem hatte mein Körper mir auch deutlich signalisiert, dass es mir gesundheitlich nicht gut ging. Ich musste also in erster Linie an mich denken.

Einmal aus der Comfortzone (feste Beziehung, fester Job) raus gewagt, stellte ich fest, dass sich neue Türen wie magisch öffneten. Nicht einen Monat hatte es gedauert und ich wurde als Ingenieurin in Berlin angestellt  – und das durch eine Initiativbewerbung in einem Tätigkeitsfeld, das ich nicht einmal studiert hatte und das alles bei einem vergleichbarem Gehalt wie im vorherigen Job im Süden.

Alle Ängste waren also total unbegründet. Ich habe erstmals gespürt, wie sich Dinge fügen können, wenn man sich traut, sein Glück in die Hand zu nehmen und mit Vertrauen loszugehen.

Welche Ängste halten dich davon ab, das zu machen, was dich glücklich macht? Sind diese Ängste berechtigt? Hast du Angst loszulassen? Angst vor dem Ungewissen? Fällst du deine Entscheidung für dich oder für andere? Vertraust du dem Universum?


Leidenschaft entdecken und Zeichen deuten

Ich hatte die Faktoren Umgebung und soziales Umfeld mit der Heimkehr nach Berlin für mein Glücksbefinden verbessern können. Doch nach drei Jahren bei meinem zweiten Arbeitgeber, habe ich einen Prozess in mir wahrgenommen, der mich dazu brachte, mich auch von diesem zu verabschieden. Notgedrungen durch das magere Angebot der Kantine, das ich erst aus geschmacklichen und später aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr wahrnahm, brachte ich mir täglich selbst mein Mittagessen mit. Ich beschäftigte mich immer mehr mit einer gesunden Ernährungsweise, recherchierte im Internet und meldete mich schlussendlich für eine Fernausbildung zur ganzheitlichen Gesundheitsberaterin an, ohne genau zu wissen, was ich letztendlich mit dem Abschluss mache. 

Zur gleichen Zeit wurde mir unabhängig davon das Angebot gemacht, Workshops zu gesunder Ernährung für meine Kollegen zu geben. Es war wie ein Wink mit dem Zaunpfahl. Ich willigte natürlich sofort ein. Das Feedback, das ich aus den Workshops zurückbekam, hatte mein Herz berührt. Die Dankbarkeit, die ich für diese Arbeit erfuhr, trieben mich viel mehr an als das Gehalt, das ich monatlich auf meinem Konto sah. Ich sah, wie ich mit den Workshops Mehrwert für meine Mitmenschen schaffen konnte und somit meinem initialen Wunsch, Menschen von Leiden zu befreien, auf diese Weise nachkommen konnte – nämlich durch Prävention und nicht erst dann, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Mit zunehmender Leidenschaft für gesundheitliche Themen und nachlassendem Interesse für ingenieurtechnische Themen erkannte ich, dass ich das technische Feld verlassen musste. Mir wurde klar, dass der angesehene Ingenieurberuf nicht mein Traum, sondern viel eher der Traum meiner Eltern war. Habe ich das etwa unbewusst durchgezogen, um sie glücklich zu machen?

Natürlich kamen auch hier erstmal Ängste wie “Was mache ich jetzt ohne das gewohnte Gehalt?”. Wir leben in Deutschland aber in einem System, das so ausgelegt ist, dass man durch Arbeitslosigkeit nicht zwingend auf der Straße landet. Spätestens als ich auf einer Messe, die ich dienstlich besuchte, zusammenbrach mit unbeschreiblichen Krämpfen in der Magengrube, die mich vom Stehen ja selbst vom Sitzen abhielten und ich mit Hyperventilation in den Erste-Hilfe-Raum gebracht wurde, hat mein Körper mir deutlich genug kommuniziert, dass es Zeit für die Kündigung war.

Ich wollte nicht das Leben meines Ex-Freundes leben, ich wollte auch nicht das Leben leben, das meine Eltern sich für mich wünschten. Ich wollte mein Leben leben.


Sein Leben aus der Ferne betrachten 

Aber was will ich für mich in meinem Leben? An dem Tag, an dem das Arbeitsverhältnis beendet wurde, war ich mit einem so großen Glücksgefühl erfüllt, dass ich mit komplett neuer Energie und einem großen Lächeln auf dem Gesicht die Firma verließ. Ich beschloss, für eine Weile ins Ausland zu gehen für eine Sabbatzeit: um abzuschalten, das vorangegangene Kapitel hinter mich zu lassen, in mich hineinzuhorchen und herauszufinden, was ich wirklich will. Denn was ich nicht will, hatte ich ja bereits festgestellt und auch dies ist von unermesslichem Wert, um einen weiteren Schritt in die richtige Richtung zu gehen.

Aus der Ferne konnte ich mein Leben losgelöst aus der gewohnten Umgebung mit dem nötigen Abstand sehen. Ich habe in der Zeit so viel Energie durch das Umfeld, die Menschen, das gute Essen und die Natur erhalten, sodass ich am Ende der Sabbatzeit mit einer zuvor nicht vorhandenen Gelassenheit, mit einem Vertrauen, mit Mut und Kraft, den Entschluss zur Selbstverwirklichung in Form einer Selbstständigkeit fassen konnte. Dazu kam ein starkes Bedürfnis, minimalistischer zu leben, als ich es vor meiner Sabbatzeit zu tun pflegte. Materielle Dinge wurden für mich unbedeutend, ja sogar belastend.


Das Lernen hört nie auf

Nun habe ich mein eigenes Unternehmen gegründet, um meine Mitmenschen zu einem erhöhten Gesundheitsbewusstsein zu animieren. Ich möchte mein Wissen und meine Erfahrungen dorthin bringen, wo Menschen den Großteil ihrer Zeit verbringen. Und den Zugang zu diesem Wissen möchte ich möglichst vielen Menschen ermöglichen. Daher biete ich Workshops zu gesunder Ernährung für Mitarbeiter in Unternehmen an. Aber der Weg dahin ist nicht immer einfach. Auch hier muss ich immer wieder lernen, auf eine gute Balance zu achten. Sich aus Eifer zu überarbeiten bringt niemandem was – so nobel das Ziel auch sein mag. Auf meiner Reise von der Technikstudentin bis hin zur selbstständigen Ernährungsberaterin lerne ich sehr viel über mich selbst und fürs Leben. Das prägnanteste Learning ging mit der Sabbatzeit einher.


Generation Y 

Heutzutage ist es nicht mehr ausschlaggebend, ob man einen Bachelor- oder einen Masterabschluss hat. Es ist nicht mal unbedingt wichtig, welches Studienfach man belegt hat. Ich habe viele Beispiele gesehen und selbst durchlebt, wie man auch ohne den entsprechenden Abschluss an einen Job kommt. Wichtig sind die Fähigkeiten, die man bis dahin erworben hat – und diese kann man auf verschiedenste Arten erlangen. Und man sollte ein gutes Händchen dafür haben, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, die richtigen Menschen zu treffen – oder anders ausgedrückt wachsam und offen sein. Die Bewegung, sich selbst seinen Job zu kreieren, wird mit unserer Generation Y auch immer größer. Man erkennt Bedarf, entdeckt seine eigene Leidenschaft und Fähigkeiten und bringt den Mut auf, etwas Neues zu erschaffen. So tickt unsere heutige Generation. Wir sind nicht davon abhängig oder darauf aus, bei einem einzigen Arbeitgeber bis zum x-ten Jubiläum zu bleiben, wie es womöglich noch unsere Vorgängergeneration zu pflegen tut. Denn unsere tägliche Beschäftigung und die Menschen, die uns die meiste Zeit unseres Lebens umgeben, haben einen nicht unerheblichen Einfluss auf unser Wohlbefinden und somit auch auf unsere Gesundheit. Und das ist uns wichtiger als eine vermeintliche Sicherheit.


In seiner täglichen Arbeit erfüllt sein

Um glücklich zu sein, müssen wir für uns selbst herausfinden, was wir wollen und was wir nicht wollen. Dabei spielt es keine Rolle, was andere oder die Gesellschaft von uns erwarten. Nur, weil man einen bestimmten Abschluss gemacht hat, heißt das nicht, dass man an dem Beruf bis zu seiner Rente gefesselt sein muss. Und überhaupt: leider sehen viele Menschen ihren Beruf eher als Mittel zum Zweck, um Geld zu verdienen, damit sie das Geld letztendlich am lang ersehnten Wochenende ausgeben können, um sich mit neuen materiellen Dingen einzudecken oder sich von dem Arbeitsstress in welcher Form auch immer zu betäuben. Die meisten Menschen warten auf den nächsten Urlaub oder gar darauf, endlich dann im Ruhestand die Dinge tun zu können, die sie durch die Arbeitssituation nicht tun können. Aber warum machen wir nicht schon jetzt in unserem täglichen Tun das, was uns Freude bereitet? Warum locken Arbeitgeber mit einer sogenannten Work-Life-Balance? Dieser Begriff ist so oder so eher kritisch zu betrachten, denn er grenzt die Arbeit vom Leben ab.

 

Mit Ängsten umgehen

Hören wir auf, uns von der Angst leiten zu lassen. Die Angst ist unser ständiger Begleiter und möchte uns vor Gefahren schützen – und das ist auch gut so, sie hat durchaus ihre Daseinsberechtigung. Aber, wenn es nicht gerade um Leben und Tod geht, müssen wir lernen, die Angst bei unseren Entscheidungen nicht Überhand nehmen zu lassen. Nachdem ich einmal gelernt habe, dass viele Ängste unbegründet waren und es doch immer irgendwie weiterging, hatte ich an weiteren Lebenskreuzungen immer weniger gezögert, meinen Weg zu gehen, der sich für mich richtig anfühlt. Und hier spreche ich bewusst von “fühlen”. Ich habe immer mehr gelernt, auf mein Bauchgefühl zu hören.


Auf Signale achten

Das Zusammenspiel von Körper und Psyche ist enorm. Wenn es uns auf psychischer Ebene nicht gut geht und wir nichts dagegen tun, meldet sich unser Körper mit Symptomen, um uns deutlich zu machen, dass wir was ändern sollten. Bleiben diese Signale ungeachtet, werden die Hilferufe unseres Körpers immer lauter. Wie stark wir durch mentale Kraft von unseren Selbstheilungskräften Gebrauch machen können, schildert uns Lissa Rankin eindrucksvoll in ihrem Buch “Mind over Medicine”.

Auch Signalen von außen sollten wir aufmerksam gegenüber sein. So bedarf es manchmal einen vermeintlichen Rückschlag (z.B. Absage durch die Universität oder einen Arbeitgeber, Krankheit oder Verlust), um uns dazu zu bringen, einen anderen Weg einzuschlagen. Und dann ist das der Weg, den wir gehen müssen, um bestimmte Lektionen im Leben mitzunehmen und um uns zu dem Menschen zu entwickeln, der wir heute sind. Dabei dürfen wir auch hin und wieder hinfallen. Wir stehen dann wieder auf und haben daraus gelernt. Denn das Leben stellt uns immer wieder in verkleideter Form vor die gleichen Probleme bis wir die Lektion endlich verstanden haben.


Handeln

Die meisten Menschen, die ich frage, ob sie in ihrem Job glücklich sind, beantworten die Frage mit nein. Gleichzeitig tun sie nichts dagegen, denn sie haben Angst vor dem Ungewissen, wissen nicht, was sie sonst machen sollen und das Geld passe ja schon irgendwie. Angst vor dem Ungewissen muss man nicht haben, wenn man eine Portion Urvertrauen aufbringen kann. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass sich tatsächlich neue Türen öffnen, sobald sich andere schließen. Wozu man berufen ist, ist eine etwas schwieriger zu beantwortende Frage. Dazu kann es helfen, Life Coaches zu konsultieren oder wenn man die Möglichkeit hat – so wie ich es gemacht habe – eine Sabbatzeit zu nehmen und sich aus der Ferne Gedanken zu seinem Leben zu machen. Der dritte Punkt – Geld – sollte wie schon zu Anfang eingeleitet nicht der ausschlaggebende Punkt für unsere Jobwahl sein. Natürlich ist es sinnvoll, eine gewisse Basis zu haben, womit man ruhig schlafen kann. Aber lassen wir Geld nicht wichtiger werden als unsere eigene Gesundheit und unser eigenes Glück. Und unser Glück und unsere Gesundheit hat niemand sonst in der Hand als wir selbst.
Über den Autor

Linh Le

Ich bin Linh Le – Ernährungsberaterin, Ingenieurin und Weltkind.


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