Macht dich dein Ego unglücklich?

Simon Schubert
Von Simon Schubert / 22. November 2017

Es ist egal, wie viel du besitzt. Du kannst die tollsten und schönsten Dinge besitzen. Du kannst besitzen, wovon du schon immer geträumt hast. Du kannst mehr Geld haben, als du jemals ausgeben könntest. Du kannst alles haben, was du willst. Egal, ob du es brauchst oder nicht brauchst. Du kannst noch so gut aussehen. Dein Wunschgewicht erreichen. Deinen Seelenpartner finden. Es wird dich nicht glücklich machen.


Ist dein Ego schuld?

Es wird immer etwas in dir geben, das mehr will. Etwas anderes. Etwas, was du gerade nicht hast. Du wirst immer mehr haben wollen. In der Hoffnung, dass du dann endlich glücklich wirst. Das neue Auto. Die ersehnte Gehaltserhöhung. Dein Wunschgewicht. Eine neue Freundin oder ein neuer Freund.


“Nur noch das, dann… Doch das „dann“ wird niemals eintreten!”
— SIMON SCHUBERT


Das Problem ist dein Ego. Dein Ego hindert dich daran, glücklich zu werden. Mache nicht den Fehler, zu denken, du seist dein Ego. Du bist weitaus mehr als nur dein Ego. Es ist jedoch schwer auszumachen, was dein Ego ist. Am besten gefällt mir die Beschreibung „Die Stimme in deinem Kopf“.


Dein Ego will immer mehr

Von Natur aus will dein Ego immer mehr. Wenn du etwas bekommst, etwas kaufst, etwas konsumiert — dein Ego fütterst — wird sich das Ausgangsniveau einfach neu definiert. Die Folge ist: Ganz kurz freust du dich darüber. Dann willst du sofort mehr. Dein Ziel war es 50.000€/Jahr zu verdienen. Dann werden es 75.000€/Jahr. Und dann 100.000… Du willst nicht nur mehr vom Gleichen, sondern du willst etwas Besseres, etwas Schöneres, etwas Leistungsfähigeres…


“Eine Ehe ist wie ein Restaurantbesuch: Man denkt immer, man hat das Beste gewählt, bis man sieht, was der Nachbar bekommt.”
— BERND STELTER


Ich will damit nicht sagen, dass dein Ego schlecht ist. Dein Ego hat sehr wohl seine Berechtigung. Oft ist es wichtig, dass du an dich selber denkst. Dass du tust, was für dich gut ist. Dass du aufpasst, dass dir nichts passiert. Dein Ego sorgt sich um dich und will dein Freund sein. Doch genauso kann es dich davon abhalten, glücklich zu werden.

Dein Ego lebt in der Vergangenheit und in der Zukunft. Die Folge ist, dass du ständig in Gedanken an bereits Geschehenem bist. Fehler bereust, vertanen Möglichkeiten hinterher trauerst, aber auch in schönen Gedanken schwelgst und so nicht für neue Erlebnisse offen bist. Genauso kann es nur zu leicht passieren, dass du dir über die Zukunft Sorgen machst. Über Möglichkeiten, die vielleicht niemals eintreten werden. 


Ständig am Vergleichen

Und wenn das nicht genug wäre: Dein Ego vergleicht auch ständig. Vergleicht dich mir anderen Menschen. Dein Vermögen. Deinen sozialen Status. Dein Aussehen. Deine Erfolge. Vergleiche können als Referenz hilfreich sein. Doch meistens macht dich eher unglücklich, zu vergleichen.

Dein Ego ist niemals glücklich. Dein Ego will, dass du überlebst. Mehr nicht. In Zeiten, in denen die Gefahr nicht mehr allzu groß ist, plötzlich von einem Dinosaurier gefressen zu werden, rückt diese Bedeutung vielleicht etwas in den Hintergrund. Wenn du glücklich werden willst, musst du lernen, besser mit deinem Ego zu leben.

Du musst lernen, nicht einfach zu reagieren, sondern zu agieren.

Du musst lernen, mit dem glücklich zu sein, was du hast und nicht, was du haben könntest.

Du musst lernen, zu leben, mit dem was ist.

Wie kannst du das bewerkstelligen? Ein Weg dahin ist die Entwicklung von mehr Achtsamkeit. Achtsamkeit ist, ganz simple gesagt, das Leben im Hier und Jetzt. Achtsamkeit ist Wahrnehmen. Einfach nur wahrnehmen, was ist. Nicht, was war. Nicht, was sein könnte. Was ist. Ohne Bewertung.


“The secret of life is enjoying the passage of time.”
— JAMES TAYLOR


Sei achtsam

Für die Entwicklung von mehr Achtsamkeit brauchst du nichts weiter als dich selber. Du kannst immer und überall trainieren. Konzentriere dich ganz einfach auf den Moment. Was du gerade tust. Wie du gerade auf den Bildschirm schaust und diese Zeilen liest. Dein Atem. Der Kontakt mit dem Boden oder worauf du gerade sitzt. Deine Umgebung.

Sicherlich werden sofort irgendwelche Gedanken auftauchen. Das ist in Ordnung. Lass sie los. Sie werden verschwinden.

Oftmals kann man lesen, man solle seine Gedanken und Gefühle einfach loslassen. So wird es im Buddhismus und anderen Philosophien gelehrt. Was damit jedoch gemeint ist, ist lass es sein. Lass es einfach sein, so wie es ist. Lebe mit dem, was ist. Akzeptiere es.

Durch das Training von Achtsamkeit kannst du viel präsenter bei dir und deinen Mitmenschen sein. Anstatt einfach irgendwelchen Impulsen, Gedanken und Emotionen nachzugehen, kannst du dich davon losgelöst verhalten. Durch mehr Achtsamkeit in dein Leben kannst du auch mehr Freiheit erlangen. Wirkliche Freiheit. Freiheit, die es dir erlaubt zu denken und zu tun, was du wirklich willst. Ohne von den eigenen Emotionen und Gedanken kontrolliert zu werden.


Dein Ego ist nicht dein Feind

Für viele ist dies kaum vorstellbar. Schnell kann man meinen, dass dies bedeuten würde, man müsse die eigenen Gedanken und Emotionen „ausschalten“. Doch das ist nicht der Fall. Genauso wenig sollst du dein Ego „ausschalten“. Es sind lediglich die Einstellung und der Umgang, die sich zu den jeweiligen Dingen verändern. So hast du die Entscheidung, inwiefern du welche Emotionen und Gedanken ausleben willst. Denn Emotionen und Gefühle können natürlich auch schön sein. Und diese sollst du auch voll und ganz ausleben dürfen. Wobei auch dies gelernt sein will.

Ich kann dir nur tägliches Meditieren ans Herz legen. Das ist eine wunderbare Möglichkeit, Achtsamkeit zu trainieren. Setze dich einfach in einer ruhigen Umgebung hin und konzentriere ich auf deinen Atem. Das wars. Mehr nicht. Nimm einfach nur wahr, wie du ein und wieder ausatmest. Kommen Gedanken auf — was definitiv passieren wird —, lass sie sein und konzentriere dich dann wieder auf deinem Atem.

Schon ein paar Minuten täglich können dein Leben verändern. Schon durch ein bisschen mehr Achtsamkeit kannst du eine völlig neue Perspektive erlangen. Wenn dann das nächste Mal die innere Stimme meint, du seist nicht gut genug oder etwas fehle dir noch, um glücklich zu sein, nimmst du sie einfach nur wahr. Du lässt die Stimme einfach nur sein und konzentrierst dich wieder auf die wichtigen Dinge im Leben. Auf den Moment. Auf deine Umgebung. Auf deine Mitmenschen. Auf das, was dich glücklich macht.

Über den Autor

Simon Schubert

Als studierter Gesundheitsmanager und Gründer von Perspektive Gesundheit unterstütze ich Menschen bei der Umsetzung einer gesunden Lebensweise.


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