Medikamente absetzen: In 4 Schritten aus dem Teufelskreis ausbrechen

Du gehst nichtsahnend zum Arzt. Eigentlich wegen keiner großen Sache. Trotzdem bekommst du schnell ein Medikament verschrieben. Ehe du dich versiehst, kommt noch eins dazu. Und noch eins. Bis du selber nicht mehr wirklich durchsiehst. Ein Ausnahmefall? Leider nicht. Irgendwann kommt dann der Punkt: Du fragst dich, kann ich meine Medikamente absetzen? Ist das möglich?

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Wie brichst du aus dem Teufelskreis aus?

Sehnst du dich manchmal an den Moment zurück, an dem du keine Medikamente einnehmen musstest? An dem du dich noch gesund und unbeschwert gefühlt hast? Ein Moment in weiter Vergangenheit, meinst du? Eine Zeit, die du niemals wieder erleben wirst?

Ein Leben ohne Medikamente muss kein Wunschdenken sein. Für viele Menschen kann es zur Realität werden. Zumindest ist es in vielen Fällen möglich, die Medikamenteneinnahme stark zu reduzieren. Wie ist das möglich? So jedenfalls nicht: Einfach seine Medikamente absetzen.


Eine kleine Warnung am Anfang

Du möchtest deine Medikamente absetzen? Wünschst dir ein Leben, in dem du nicht mehr von ihnen abhängig bist? Ein erstrebenswertes Ziel. Nur zu verständlich.

Doch es sollte definitiv nicht leichtfertig geschehen. An dieser Stelle möchte ich ganz ausdrücklich davor warnen, einfach so deine Medikamente abzusetzen. Eine Selbstbehandlung kann schnell nach hinten losgehen.

Gleichzeitig gebe ich auch keine medizinische Beratung. Ich möchte zu nichts anstiften. Lediglich meine Erfahrung und eine weitere Perspektive anbieten. Dich inspirieren, dass es möglich ist. Bitte tu nichts Unüberlegtes. Meine ausdrückliche Empfehlung: Arbeite mit einem Profi z.B. einem geeigneten Arzt zusammen.


So klappt das Medikamente absetzen

Falls du hier eine Anleitung erwartest, die du einfach befolgen kannst, muss ich dich leider enttäuschen. Es wäre leichtsinnig, ein konkretes Vorgehen für die Allgemeinheit vorgeben zu wollen. Dafür ist die individuelle Situation zu entscheidend.

Statt einer konkreten Anleitung möchte ich dir jedoch ein Prinzip näher bringen. Mein Wunsch ist es, dass du selber glaubst, dass du deine Medikamente absetzen kannst. Nicht heute. Nicht morgen. Sondern langsam einem kontinuierlichem Prozess folgend.

Ich sage nicht, dass es für alle möglich ist. Absolut nicht. Vielleicht auch nicht für dich. Mir ist jedoch wichtig, dass du erkennst, welche Möglichkeiten du hast. Ich wünsche mir, dass du Verantwortung übernimmst. Dich darauf fokussierst, was in deinem Einflussbereich liegt.

Die folgenden 4 Schritte sind keine erprobte Therapie. Sie dienen lediglich dem besseren Verständnis.

Also bist du bereit? Bist du bereit, ohne Medikamente zu leben? Wichtiger: Bist du bereit, das zu tun, was dafür nötig ist?


1. Das Problem erkennen

Bevor wir uns damit beschäftigen, warum und wie man seine Medikamente absetzen kann, sollte eine andere Frage geklärt werden: Was ist eigentlich das Problem? Warum möchtest du deine Medikamente absetzen?

Medikamente können Leben retten und stellen in vielen Fällen mindestens kurzfristig eine gute Lösung dar. Das Problem ist meistens, dass nicht die eigentliche Ursache der Krankheit angegangen wird.

Medikamente bekämpfen oft nur die Symptome. In einigen Fällen ist das auch unbedingt nötig. Gerade wenn es darum geht, irreversible Schäden zu vermeiden. Den wirklichen Ursachen auf den Grund zu gehen und mit diesen zu arbeiten, dauert oft viel länger.

Medikamente können eine effektive, kurzfristige Intervention darstellen.

Problematisch wird es, wenn die kurzfristige Lösung – die Bekämpfung von Symptomen – als dauerhafte Lösung angesehen wird. Warum es dazu kommt und wer Schuld hat, interessiert an dieser Stelle nicht weiter. Wichtiger ist, was man ändern könnte.

In den meisten Fällen ist eine Lebensstiländerung des Betroffenen nötig. Die Frage ist, ob der Patient dazu bereit und in der Lage ist. Bist du bereit, dein Leben zu ändern?

Oft wird eine einfache Lösung gesucht. Die meisten Menschen wollen nur eine Pille nehmen und dann mit allem so weiter machen. So funktioniert es jedoch leider nicht. Sie bekommen zwar die Pille, doch langfristig ist es keine Lösung. Das ist auch der Grund, warum unsere Schulmedizin versagt.


Oft fehlt das Verständnis

Es geht mir absolut nicht darum, jemandem die Schuld zuzuweisen. Das bringt letztendlich auch niemandem etwas. Ich denke, alle Beteiligten tragen ihren eigenen kleinen Beitrag dazu bei.

Für mich ist es immer wieder erschreckend, wie leichtgläubig viele Patienten sind. Wie viel einfach hingenommen wird. Nicht hinterfragt wird.

Natürlich ist das einfacher. Doch es zahlt sich nicht aus. Schließlich geht es um ihre Gesundheit. Es geht um deine Gesundheit. Niemand anderes hat Aktien in der Sache. Am Ende des Tages leidet nur eine Person unter der Situation – du.

So viele Menschen nehmen Cholesterinsenker. Der Grund? Ihre Cholesterinwerte seien zu hoch. Also werden fleißig Tabletten geschluckt. Die Folge? Die Cholesterinwerte sind jetzt wieder besser. Doch die Ursache, warum die Werte überhaupt so hoch waren, hat sich nicht verändert. Sind die erhöhten Werte vielleicht nur ein Zeichen dafür, dass der Körper mit etwas kämpft? Sind die erhöhten Cholesterinwerte vielleicht nur ein Zeichen für ein tieferliegendes Problem?

Ähnliches gilt für Blutdrucksenker. Natürlich ist der Blutdruck mit entsprechenden Tabletten besser – vielleicht sogar ‘normal’. Das bedeutet doch aber nicht, dass alles in Ordnung ist. Teilweise ist es so, als würde man bei einer Grippe einfach nur das Fieber senken. Manchmal mag dies nötig sein. Doch ausreichend ist es nie.


Nur weil deine Werte im Normbereich liegen, heißt es nicht, dass alles in Ordnung ist.

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Was ist das eigentliche Problem?

Referenzwerte sind hilfreich, keine Frage. Doch sie sollten lediglich eine Hilfe darstellen. Es sollte nicht das Ziel sein, einfach nur irgendwelche Werte in den Normbereich zu bekommen. Was erwarten wir, was passieren wird?

Sicherlich kann es sein, dass eine Korrelation zwischen den Werten z.B. dem Cholesterinwert und der eigentlichen Ursache besteht. Eventuell sogar ein kausaler Zusammenhang. Doch nur weil wir oberflächlich etwas ändern, ist das Problem nicht gelöst.

Es bedarf mehr als das. Oftmals gibt es auch nicht nur die eine Ursache. Stattdessen kommen mehrere Umstände zusammen. Lass uns erstmal nur festhalten, dass oftmals nicht das eigentliche Problem angegangen wird. Stattdessen wird eine schnelle (Schein-)Lösung gesucht. Das Ergebnis kennst du vielleicht selber. Ein gesunder und leistungsfähiger Körper ist es meistens jedoch nicht.


2. Die Situation annehmen

Nachdem du erkannt hast, dass viele Medikamente die Ursache nicht angehen, stellt sich natürlich die Frage: Was tue ich jetzt? Soll ich einfach meine Medikamente absetzen?

Natürlich nicht. Stattdessen solltest du erstmal die Situation annehmen. Anerkennen, wie es gerade ist. Das kann sehr schmerzhaft sein. Gerade dann, wenn man unter Nebenwirkungen leidet.

Doch sieh es so: Du bist bereits einen Schritt weiter. Jetzt kommt es darauf an, wie du weitermachst. Denn nun weißt du es besser. Jetzt kannst du Verantwortung übernehmen und etwas ändern.


Medikamente: Ein Pakt mit dem Teufel?

Du nimmst Medikamente ein. Was ist die Aussicht? Was ist der langfristige Plan? Hast du dich das jemals gefragt? Hast du jemals mit deinem Arzt besprochen, wie die langfristige Strategie ist?

Du nimmst das Medikament und die Symptome gehen – im besten Fall – weg. Du bist glücklich. Aber nur vorübergehend. Die Ursache wurde nicht behandelt. Dementsprechend kommen die Symptome wieder. Oder andere Symptome zeigen sich. Die Lösung? Mehr Medikamente.

Nochmal: Was ist die Aussicht? Medikamente dein ganzes Leben lang? Keine schöne Aussicht.

Dir ist das sicherlich schon irgendwie bewusst. Schließlich bist du nicht doof. Doch gestehst du es dir ein? Gestehst du dir ein, dass die Situation so ist? Genau das solltest du.

An dieser Stelle solltest du dir bewusst werden, dass es keine einfache und schnelle Lösung gibt. So schmerzhaft es auch sein mag. Akzeptiere es, wie es ist. Schöpfe Stärke, um langfristig etwas zu ändern.


3. Veränderung: Ein neues Leben muss her

Medikamente sind grundsätzlich nichts Schlechtes. Es gibt keinen Grund, sie zu verteufeln. Sie haben klar ihre Berechtigung. Ist es nicht eher unser Umgang, der oft nicht gut ist?

Willst du den Teufelskreis durchbrechen, musst du die wahre Ursachen angehen. Hier verabschieden sich die meisten Menschen.

Die Ursache bist oft du und dein Lebensstil.

Es ist so viel einfacher eine Pille – oder auch 20 – zu schlucken, als sein eigenes Verhalten zu ändern. Ich verstehe das. Ich verstehe auch Ärzte, die sagen, dass sie ihren Patienten nur das geben, was diese auch wollen. Die allermeisten suchen die schnelle und einfache Lösung.

So ist ein System entstanden, dass genau dies bedient. Leider funktioniert es nicht. Wobei, eigentlich funktioniert es sehr gut. Es ist sehr gut darin, dass zu tun, was es tut. Nur leider ist das oft nicht im Interesse des Patienten.

Möchtest du den Teufelskreis durchbrechen, darfst du nicht den einfachen Weg gehen. Doch es muss auch kein schmerzhafter Weg sein. Viele Änderungen sind viel einfacher, als du vielleicht denkst. Du musst nur bereit dafür sein.


Du musst bei dir anfangen

Natürlich muss man bei verschiedenen Krankheiten verschiedene Dinge beachten. Aber es geht ja auch nicht um eine direkte Therapie. Eigentlich sind ganzheitliche Lebensstiländerungen immer nötig.

Es ist erstaunlich, wie lange unser Körper mit ‘falschen’ Lebensstilen zurechtkommt. Wie robust er ist. Trotzdessen wie stark er oft misshandelt wird. So muss man es teilweise wirklich ausdrücken.

Die wohl größte Stellschraube ist bei vielen Menschen die eigene Ernährung. Die Veränderung hin zu einer natürlichen, vollwertigen, pflanzenbasierten Ernährung würde wahre Wunder hervorrufen. Das bedeutet in erster Linie, keine stark verarbeiteten Lebensmittel sowie ausreichend Obst und Gemüse zu sich zu nehmen.

Natürlich spielen noch andere Faktoren eine wichtige Rolle. In einigen Fällen kann sogar eine starke Vergiftung die wesentliche Ursache für die Symptome sein. Oder dir fehlen einfach essentielle Nährstoffe. Wann hast du das letzte Mal deine Vitamin B12 oder Vitamin D Werte überprüfen lassen? Gerade dann – aber auch sonst – sollte mit einem geeigneten Profi (Arzt, Heilpraktiker usw. – der Abschluss ist hier leider nicht das ausschlaggebende Kriterium) zusammengearbeitet werden.

Weitere Stellschrauben sind zum Beispiel ausreichend Bewegung und Entspannung bzw. allgemein Ausgleich. Wer gesund sein will, sollte sich selber Gedanken machen und versuchen Wege zu finden:

Werde selber aktiv. Gib nicht die Verantwortung ab. Mach dich selber nicht zum Opfer. Du hast die Möglichkeiten, es anders zu machen. Egal wie schlimm die Situation auch sein mag, du kannst immer etwas machen. Fokussiere dich genau darauf.


4. Anpassen: Langsam die Medikamente absetzen

Wenn man erstmal verstanden hat, dass man selber aktiv werden muss – besser: aktiv werden kann - gerät man schnell in Versuchung: Natürlich soll die Veränderung dann auch möglichst schnell gehen. Am besten von heute auf morgen ein komplett neues Leben führen, sodass man möglichst schnell die Medikamente absetzen kann.

Doch so funktioniert es nicht. Leider. Nach langer Medikamenteneinnahme hat sich der Körper daran angepasst. Nun heißt es, langsam Veränderungen vorzunehmen und den Körper wieder unabhängig von Medikamenten zu machen.

Es ist an dieser Stelle unmöglich zu sagen, was die geeignete Therapie für dich ist. Doch ich versichere dir: Die Aufnahme eines gesundes Lebensstils hat immer positive Auswirkungen. Es kann die Wirkung von Therapien begünstigen und teilweise sogar selber eine Therapie darstellen.


Nichts wird sofort passieren

Der Weg, bis du deine Medikamente absetzen kannst, ist häufig ein langer. Doch das sollte dich nicht entmutigen. Wichtig ist nun, dass du kontinuierlich dabei bleibst. Deinen neuen Lebensstil verfolgst. Die geeignete, vereinbarte Therapie befolgst.

In regelmäßigen Abständen kann nun überprüft werden, ob sich bestimmte Werte bei dir verbessern. Oft ist es dann möglich, die Dosis des Medikaments zu reduzieren. Versuche dich nicht zu sehr darauf zu versteifen, komplett alle Medikamente abzusetzen. Jeder kleine Schritt zählt.

Nutze die Zeit für tiefliegende Veränderung. Ich bin Befürworter der Ideen “Krankheit als Weg” und “Krankheit als Symbol” wie Ruediger Dahlke sie gut beschrieben hat. Nimm dir die Zeit, zu verstehen, wie es dazu kam, dass du Medikamente einnimmst. Wie kam es dazu, dass du krank wurdest? Warst bzw. bist du wirklich krank? Gibt es etwas, was dir fehlt? Lebst du etwas nicht aus?


Es ist deine Entscheidung

Wie bereits eingangs gesagt: Dieser Artikel ist nicht als Anleitung gemeint. Nimm ihn als Anlass, um über deine Situation nachzudenken. Ich bin überzeugt, dass du dich verändern kannst. Dass sich deine Situation zum Guten wenden kann. Mehr als du denkst.

Doch es ist kein leichter Weg. Wenn du weiterhin nur nach schnellen und einfachen Lösungen suchst, ist das nicht dein Weg. Es liegt an dir. Es ist deine Entscheidung. Dein Leben.

Ich möchte dich dazu ermuntern, dich der Herausforderung zu stellen. Dich für Veränderung zu öffnen. Denn darum geht es meistens in erster Linie. Deine Medikamente abzusetzen, ist dann eine erfreuliche Nebenwirkung. Doch vordergründig geht es um die Veränderung deiner Lebensweise.

Bei diesem Weg geht es nicht ums Ankommen. Vielmehr geht es darum den Weg überhaupt zu gehen. Etwas für deine Gesundheit zu tun, ist dabei nur eine Facette. Freude, Freiheit, Glück, Liebe zu erfahren und in das eigene Leben zu integrieren sind weitere.

Ich hoffe, du siehst die Gefahr, die viele Medikamente mitsichbringen. Erkenne, d ass es eine Alternative gibt. Nimm deine Situation an, so wie sie ist. Dann entscheide, was du tun willst.

Denn es ist deine Entscheidung. Ist das nicht wunderbar? Jeden Tag aufs Neue gehst du den bereits gewählten Weg oder du begibst dich auf einen neuen. Es liegt an dir.

Simon Schubert
 

Als studierter Gesundheitsmanager und Gründer von Perspektive Gesundheit unterstütze ich Menschen bei der Umsetzung einer gesunden Lebensweise.

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