Plötzlich Rentner: Gesundheitliche Herausforderungen im neuen Lebensabschnitt meistern

Mit Eintritt in die Rente geht für die meisten ein langer und prägender Lebensabschnitt zu Ende. Im Alltag ergeben sich dadurch zahlreiche Veränderungen, die nicht nur positive Auswirkungen haben. Auch der Körper muss sich an den neuen Rhythmus anpassen, was oft eine große Herausforderung darstellt.

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Tiefgreifender Wandel der bisherigen Gewohnheiten

Im Berufsleben wird der gesamte Tagesablauf stark von der jeweiligen Berufstätigkeit bestimmt und strukturiert. Vom Beginn zu einem definierten Zeitpunkt, den Pausen, regelmäßigen und wiederkehrenden Abläufen bis hin zum wohlverdienten Feierabend.

Die übrige freie Zeit wurde ganz selbstverständlich um diese Aufgaben und Verpflichtungen herum organisiert und gab dem Leben ein gewisses Grundgerüst. Mit dem Übergang in den Ruhestand fällt diese Struktur dann plötzlich weg. Statt wie bisher nur die Wochenenden oder die Urlaubszeit, steht jetzt jeder einzelne Tag zur freien Verfügung und kann ganz nach Lust und Laune mit Leben und Tätigkeiten gefüllt werden.


Im Ruhestand muss man nicht mehr tun, was sich rentiert, sondern kann tun, was sich lohnt.


Herausforderung Selbstorganisation

Diese „Aufgabe“ fällt nicht immer ganz leicht. Manchen fällt es leichter, sinnvolle und erfüllende Aktivitäten für die neugewonnene Freizeit zu finden, andere stehen vor einem großen Nichts und fühlen sich plötzlich unnütz. Schnell kann eine große Leere entstehen. Auch der Körper muss sich auf neue Abläufe und gegebenenfalls eine geringere oder andersartige Belastung einstellen.

Wer vorher einen körperlich anstrengenden Beruf hatte, kann nun häufiger einmal die Beine hochlegen und sich schonen. War man hingegen bisher hauptsächlich im Büro tätig und hat viele Stunden sitzend am Schreibtisch verbracht, ist jetzt die Gelegenheit und Zeit, mehr Bewegung und Sport in den Alltag zu integrieren.

Die wichtigste Voraussetzung ist allerdings zunächst, die Motivation aufzubringen, seinen Tagesablauf neu zu strukturieren und mit neuem Leben zu füllen. Dies kann einem keiner abnehmen. Wenn dies allerdings nicht in Angriff genommen wird, kann dies schwerwiegende Folgen haben. Das Fehlen der regelmäßigen körperlichen und geistigen Herausforderung und Belastung kann dann dazu führen, dass der Alterungsprozess schneller vonstattengeht als erwartet.

Plötzlich Rentner: Gesundheitliche Herausforderungen im neuen Lebensabschnitt meistern

Den Übergang aktiv planen und organisieren

Damit der Wechsel in den wohlverdienten Ruhestand nicht zu abrupt ausfällt, kann sich jeder schon frühzeitig damit auseinandersetzen, wie der neue Lebensabschnitt gestaltet werden kann. Das Ziel, möglichst alt zu werden und die eigene Mobilität und Selbständigkeit so lange wie es geht zu erhalten haben viele. Der Weg, der damit verbunden ist, ist einigen jedoch nicht immer klar.

Bereits in den letzten Jahren vor der Rente sollte man sich deshalb damit auseinandersetzen. Um sich mehr Klarheit zu verschaffen, können folgende Fragen weiterhelfen:

  • Welche Erwartungen habe ich von meiner Rentenzeit? Wieviel Zeit, denke ich, steht mir noch zur Verfügung? Möchte ich die Dinge auf mich zukommen lassen oder konkrete Vorhaben festlegen?  
  • Wie stelle ich mir einen optimalen Tag im Alter vor? Möchte ich die Zeit aktiv mit viel Abwechslung gestalten oder ist mir Ruhe und ein geregelter Ablauf wichtig?
  • Welche Ziele möchte ich in meinem Leben unbedingt noch erreichen? Gibt es Hobbies oder Reisen, die ich ausprobieren und angehen möchte? Oder Fähigkeiten, über die ich schon immer verfügen wollte? Liegt mir ein besonderes Projekt am Herzen, dass ich angehen möchte?
  • Welche Menschen spielen in meiner Ruhezeit eine wichtige Rolle? Mit wem möchte ich meine Zeit verbringen oder wen möchte ich gerne regelmäßig treffen oder überhaupt wiedersehen?
  • Wann soll die Rentenzeit überhaupt beginnen? Kann ich bis zum regulären Eintrittsalter arbeiten oder möchte ich in Frührente gehen? (Hier sind regelmäßige Neuerungen zu beachten). Ist es eine Option für mich, noch eine Weile in Teilzeit weiterzuarbeiten, etwa um die Rente noch aufzustocken oder den Übergang moderater zu gestalten?
  • Wieviel Freiheit und Gestaltungsmöglichkeiten erlaubt meine zukünftige finanzielle Situation? Werde ich mich im Alter stark einschränken müssen oder kann ich mir endlich bestimmte Wünsche erfüllen?
  • Was muss ich zur Erhaltung meiner Gesundheit tun? Hier spielen individuelle Voraussetzungen eine Rolle. Zunächst muss jeder für sich definieren, wie Gesundheit persönlich interpretiert wird. Welche Maßnahmen muss ich schließlich ergreifen, um dies zu erreichen?


Mit den individuellen Antworten lassen sich sehr viel leichter Pläne schmieden und die Zukunft aktiv in Angriff nehmen. Die neue Lebensphase eignet sich hervorragend, um zu überdenken, was wirklich wichtig im Leben ist [selbst wenn du dich momentan total verloren fühlst und keine Lebensziele hast].


Gesundheitlichen Herausforderungen begegnen

Studien zeigen in Bezug auf die gesundheitlichen Folgen durch den Eintritt in den Ruhestand ganz unterschiedliche Ergebnisse. Der neue Lebensabschnitt kann sich sowohl als Hürde als auch als große Chance erweisen. Für die Gesundheit sind dabei verschiedene Faktoren ausschlaggebend, mit denen wir uns im Alter auseinandersetzen müssen:

  • Veränderte Ernährungsgewohnheiten: Nicht nur die Regelmäßigkeit, auch die Art und Weise wie gegessen wird ändert sich im Alter. Es bleibt möglicherweise mehr Zeit dafür, selbst zu kochen und sich ausgewogen zu ernähren, aber auch dafür, ausgedehnter zu schlemmen. Wer auf seine Gesundheit achten möchte, sollte die Nährstoffmenge an die veränderte Belastung anpassen.
  • Veränderte körperliche Aktivität: Je nach Art der vorangegangenen Tätigkeit fällt eine bestimmte körperliche Belastung nun weg. Handwerker, die vorher sehr aktiv waren, haben jetzt die Gelegenheit, den Auswirkungen einseitiger Anstr engungen entgegenzuarbeiten und sich zu erholen oder regenerieren. Aber auch Bürotätigkeiten sind oft mit Folgen wie Rückenschmerzen oder anderen Beschwerden verbunden. Viele entscheiden sich deshalb ganz gezielt dafür, im Alter eine passende sportliche Betätigung zu finden, um die Mobilität und Gesundheit zu fördern und zu erhalten.


Von Bedeutung scheinen im Zusammenhang mit der gesundheitlichen Vorsorge und einer entsprechenden Lebensweise tatsächlich die finanziellen Möglichkeiten zu sein. Während sich ein aktiver Lebensstil mit viel Bewegung und Sport auch mit einer eingeschränkten Rente bewerkstelligen lässt, machen einige dagegen Abstriche bei hochwertigen Lebensmitteln. Allerdings gibt es auch hier viele Optionen, sich dennoch gesund zu ernähren.

Plötzlich Rentner: Gesundheitliche Herausforderungen im neuen Lebensabschnitt meistern

Geistige Gesundheit fördern

Eine große Befürchtung, die viele in Bezug auf ihr Alter äußern, ist der Verlust der geistigen Gesundheit. Mit dem Eintritt in die Rente fällt auch die regelmäßige Herausforderung unseres Geistes weg. Im Beruf musste unser Gehirn stets vielfältige Aufgaben lösen. Grundsätzlich sollten wir in allen Lebenslagen versuchen, Neues zu lernen und uns weiterzuentwickeln.

Umso wichtiger ist es, sich für den Ruhestand ebenfalls eine geistig fordernde Tätigkeit zu suchen, um uns auch in diesem Bereich fit zu halten. Dies kann die Beschäftigung mit einem Hobby sein, oder auch mit den Enkelkindern, die uns dann auf Trab halten.

Eine große Hürde ist es dabei, sich von den alten Aufgaben und Mustern zu lösen und neues zuzulassen oder zu wagen. Nicht wenige haben damit zu kämpfen, dass ihre langjährige Erfahrung und die umfangreichen Kompetenzen auf einem speziellen Gebiet nun nicht mehr gefragt sind. Dieser Sinnverlust kann auch psychische Probleme nach sich ziehen, wenn es nicht gelingt, eine neue erfüllende Aufgabe zu finden.

Auch hier kann es hilfreich sein, so früh wie möglich nach Alternativen zu suchen. Wer sich ohnehin mit Veränderungen schwertut, kann auch schon in der Zeit vor der Rente neue Hobbies etablieren oder sich ein Netzwerk aufbauen, das später als Anlaufpunkt dienen kann.


Lebenslang weiterentwickeln

Im Grunde ist der Ruhestand eine Zeit, auf die wir ein Leben lang zuarbeiten und auf die wir uns freuen. Damit wir sie auch genießen können, müssen wir uns jedoch auf die Veränderungen einlassen.

Dazu gehört, dass wir gegebenenfalls bestehende Rollenbilder überdenken und typische Aufgaben in unserem Alltag neu organisieren und strukturieren. Das Ganze ist ein aktiver und andauernder Prozess. Viele sind im Laufe ihres Berufslebens aus der Übung gekommen, ihr Leben vorauszuplanen, etwa, weil gerade im fortgeschrittenen Alter von bisherigen Karriereschritten profitiert wurde.

Dann gilt es aufs Neue zu lernen, sich auf Neues einzulassen und neue Erfahrungen zuzulassen. Wie zu Beginn des Berufslebens sollte auch die Zeit des Ruhestands geplant oder sich verschiedene Ziele gesteckt werden. Daraus ergibt sich eine starke Motivation, weitere Schritte in Angriff zu nehmen.

Wer lange von einer guten Gesundheit profitieren will, muss daran auch aktiv arbeiten und seinen Alltag entsprechend gestalten. Das Gute dabei: Zumindest Zeit ist dafür genug vorhanden.

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