Kann Umweltschutz auch schädlich sein?

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Von Community / 21. Mai 2018
Kann Umweltschutz auch schädlich sein?

Wenn wir an Umweltschutz denken, dann haben wir meist ein Bild einer Welt im Kopf: In der Meere nicht hemmungslos überfischt werden. In der Naturräume nicht durch Kohle-Tagebauten ruiniert werden. In der uns ohne großen Aufwand die Grundlagen für eine gesunde Ernährung vorliegen. Ein äußerst positives Bild ohne jegliche Negativaspekte. Doch obgleich vieles davon natürlich stimmt, kann auch der Umweltschutz Nachteile sowohl für Mensch wie auch Tier haben. Diese sollten berücksichtigt werden. Doch dazu muss man erst einmal wissen, worauf man achten sollte.

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Die Abwägung: Globales Ganzes oder lokales Detail?

Für den Anfang will dabei eines glasklar festgestellt sein: Im Gegensatz zu vielen anderen Dingen ist Umweltschutz grundsätzlich eine primär wohlmeinende Maßnahme. Bei jedem einzelnen Teilchen dieses gigantischen Puzzles geht es darum, den blauen Planeten …

  • als Lebensraum für sieben Milliarden heutige und noch mehr zukünftige menschliche Bewohner zu erhalten.
  • als Biotop für rund 8,7 Millionen verschiedene Arten zu bewahren und dafür zu sorgen, dass keine davon zu kurz kommt.
  • von den bereits begangenen Sünden zu heilen und neue Wege zu finden, damit keine weiteren begangen werden.
  • so zu nutzen, dass das, was er seinen Bewohnern zur Verfügung stellt, noch viele weitere Jahrhunderte bzw. Jahrtausende für alle ausreicht.


Und dabei ist es manchmal unvermeidlich, dass durch die Notwendigkeit, immer das globale Ganze im Auge zu behalten, der Umweltschutz im lokalen Bereich zurücksteht. Das vielleicht beste Beispiel: Batterien. Die automobile Zukunft des Planeten, das ist Konsens, muss elektrifiziert sein, weil es unmöglich ist, die Welt noch länger als einige Jahrzehnte auf dem bisherigen Level mit Öl zu versorgen und vor allem dessen CO2 in die Atmosphäre zu blasen. Leider aber hängt genau diese Elektrifizierung aufgrund der Notwendigkeit zur Stromspeicherung bislang physikalisch daran, dass Batterien gebaut werden. Dazu braucht es Seltene Erden. Und diese müssen unter einem ähnlich umweltschädlichen Aufwand aus dem Boden geholt werden wie Kohle, Uran und Co. Umweltschäden im Kleinen für Umweltschutz im Großen. Doch das ist nur ein Beispiel.


Beispiel Windräder-Infraschall

Das nächste Beispiel in dieser Liste ist das vielleicht am kontroversesten Diskutierte. Es geht darum, dass, seitdem immer mehr Windräder in Siedlungsnähe stehen, eine Häufung von Klagen festzustellen ist, die sich mit den tieffrequenten, für Menschen nicht hörbaren Tönen der drehenden Rotoren, dem sogenannten Infraschall, befassen.

Meist klagen Betroffene über Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Unruhegefühle, Fluchtbedürfnisse. Das Problem daran ist, dass bisherige Studien zu unterschiedlichen Einsichten kamen. Mal wurde Infraschall als schädlich bestätigt, mal wurde ein sogenannter Nocebo-Effekt diagnostiziert. Ein Informationsblatt des bayerischen Landesamtes für Umwelt dazu: „Liegen die Pegel des Infraschalls unterhalb der Hörschwelle, konnten in Studien am Menschen bisher keine Wirkungen auf das Gehör, auf das Herz-Kreislauf-System oder andere Symptome beobachtet werden. Allerdings liegen bisher nur wenige Studien für diesen Bereich vor“.

Eine ähnliche Ansicht vertritt das Bundesamt für Umwelt. Sie gibt aber gleichsam zu, dass nach wie vor Langzeitstudien fehlen, die jedoch aktuell von mehreren Stellen durchgeführt werden. Zumindest deuten erste Ergebnisse bereits daraufhin, dass viele Symptome realistischer sind, als bisherige Studien es erscheinen ließen. Wie schädlich sie allerdings wirklich sind, wurde noch nicht publiziert.

Kann Umweltschutz auch schädlich sein?

fotolia.com © Biletskiy Evgeniy

Beispiel Monokulturen

Beim Thema Erneuerbare Energien haben viele Laien ein Trio aus Wind-, Wasser- und Sonnenenergie vor dem geistigen Auge. Das Problem jedoch ist, dass diese drei Maßnahmen nur einen Teil abdecken. Tatsächlich umfasst die Definition viel mehr Energieträger, darunter auch Biomasse, gewonnen aus sogenannten Energiepflanzen.

Dabei handelt es sich um Pflanzen, die sich besonders gut dazu eignen, in einer Biogasanlage vergoren zu werden, dabei Methan abzugeben, das wiederum zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt wird. Etwa:

  • Mais
  • Raps
  • Rüben
  • Soja
  • Ölpalme
  • Zuckerrohr

Problematisch ist hierbei, dass Biomasse für viele Länder, besonders die technisch weniger Hochentwickelten oder solche mit einer für andere Maßnahmen ungeeigneten Lage/Geographie, die einzige Möglichkeit darstellt, erneuerbare Energien zu erzeugen. Das wiederum führt dazu, dass …

  • gigantische Monokulturen angepflanzt werden, welche lokale Pflanzen verdrängen und mutmaßlich auch zum Insektensterben beitragen.
  • die Biomasse-Anbauflächen mit denen für Nahrung konkurrieren und so vor allem in armen Ländern die sowieso schon kritische Nahrungsmittelversorgung schwächen.
  • große Waldflächen gerodet werden, um mehr Platz für Energie- oder Nahrungsmittelpflanzen zu schaffen – mit weitreichenden Nachteilen für Sauerstoffproduktion und CO2-Bindung.

Tatsächlich ist das Problem so gravierend, dass viele Umweltschützer schon dafür plädieren, Biomasse aus der Liste der sinnvollen erneuerbaren Energien auszuklammern.


Beispiel Energiesparlampen

Mit dem Aus für die Glühlampe im Bereich der EU kam die Notwendigkeit, Beleuchtung durch andere Mittel herzustellen. Der aufgrund der technischen Entwicklung zu diesem Zeitpunkt, Ende der 00er Jahre, am schnellsten verfügbare Weg waren sogenannte Kompakt-Leuchtstoffröhren, besser bekannt als Energiesparlampen.

Doch gerade dieses Leuchtmittel zog schnell Kritik auf sich – nicht nur, weil es den Menschen schädigt, sondern ebenfalls wieder ein Umweltproblem darstellt. Denn damit solche Lampen funktionieren, ist es technisch notwendig, dass sie Quecksilber enthalten. Kritisch ist daran, dass Quecksilber ein Schwermetall ist. Schon diese Tatsache macht es notwendig, dass Energiesparlampen am Ende des Lebens dem Sondermüll zugeführt werden – allerdings fand eine Studie heraus, dass dies nur 70 Prozent der deutschen Benutzer tun. In Anbetracht dessen, dass jährlich in Deutschland rund 100 Millionen solcher Lampen weggeworfen werden und jede etwa 2mg Quecksilber enthält, sind das immerhin 60 Kilogramm Quecksilber, die nicht korrekt entsorgt werden.

Hinzu kommt ein weiteres Problem, das dadurch entsteht, wenn der Glaskörper der Lampen beschädigt wird. Quecksilber verdampft zum Teil schon bei Raumtemperatur. Handlungsempfehlungen sagen zwar, dass es in einem solchen Falle ausreiche, das betroffene Zimmer gut durchzulüften. Fakt ist jedoch, dass bei Quecksilber, aufgrund der hohen Toxizität und der Fähigkeit, sich im menschlichen Körper anzureichern, selbst minimalste Dosen schon bedenklich sind – besonders für Babys.

Allerdings gibt es zu diesem Punkt eine positive Meldung: Mit der Marktreife von LED-basierenden Energiesparlampen und vor allem einem gesunkenen Verkaufspreis sinkt seit einigen Jahren die Zahl verkaufter konventioneller Energiesparlampen ab – zumindest innerhalb der EU.

Kann Umweltschutz auch schädlich sein?

fotolia.com © Mike Fouque

Beispiel Photovoltaik

Photovoltaik, also die Umwandlung von Sonnenenergie in Strom, zählt zu den größten globalen Hoffnungsträgern in der Energiewende. Zurecht, muss man sagen, denn die Energie, die an einem durchschnittlichen Tag auf die Erde trifft, reicht aus, um den Energiehunger der Menschheit über mehrere Wochen zu decken.

Doch auch diese Energieerzeugung fordert ihren Tribut. Zunächst dadurch, dass sie, wie Akkus, Seltene Erden zur Herstellung benötigen. Hier ist das Problem, dass deren Abbau vornehmlich in Ländern geschieht, bei denen Menschen- und Umweltschutz einen weitaus geringeren Stellenwert als bei uns haben. Und das „selten“ ist bei den Seltenen Erden Programm. Und zwar so sehr, dass Zukunftsforscher schon die Ansicht vertreten, dass uns im Kampf darum globale Kriege ins Haus stehen.

Dass da die großen Flächen, die Photovoltaik-Parks benötigen, um sich zu rentieren und vor allem eine dem Verbrauch angepasste Ausbeute zu liefern, erscheint da beinahe als Nebensache.


Fazit: Bitte sparen!

Auch die bestgemeinte Umweltschutzmaßnahme kann schädlich sein. Entweder für uns direkt, für Menschen in anderen Ländern oder die Tier- und Pflanzenwelt. Die Lösung kann und darf deshalb nicht nur darüber gehen, sich zufrieden zurückzulehnen. Jede Kilowattstunde Energie, egal ob erneuerbar oder nicht hergestellt, ist eine zu viel. Die Devise für uns als Verbraucher kann nur lauten: Sparen, jetzt erst recht und wo es nur geht. Nachhaltige Erzeugung ist kein Freibrief, um seinen Verbrauch hochzutreiben, obwohl genau das viele glauben. Erst recht nicht, weil es nach wie vor Milliarden Menschen gibt, die kaum Zugang zu Strom haben – egal wie er hergestellt wurde.


Bildquellen:

  1. Titelbild: fotolia.com © Stockwerk-Fotodesign
  2. fotolia.com © Biletskiy Evgeniy
  3. fotolia.com © Mike Fouque
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