Was ist Fitness?

Wenn Leute anfangen, regelmäßig Sport zu machen, ist das Ziel von vielen „Ich will fitter werden“. Als Personal Trainer muss ich immer fragen: Was heißt das FÜR DICH? Woran machst du fest, dass du fitter bist. Was willst du wirklich erreichen? Hast du dich schon mal gefragt, was ist Fitness?

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Die meisten Menschen antworten dann, dass sie eigentlich besser aussehen wollen und auch irgendwie etwas für ihre Gesundheit tun wollen.
Super. Das ist mindestens genauso vage.

Aber darum soll es jetzt gar nicht gehen. Vielmehr möchte ich erklären, was Fitness für mich bedeutet und wie ein Fitnesstraining gestaltet werden sollte.

Wenn man im Duden nach Fitness nachschaut, erhält man diese Definition:
"gute körperliche Verfassung, Leistungsfähigkeit [aufgrund eines planmäßigen sportlichen Trainings]"

Es geht also um Leistungsfähigkeit. Rein physikalisch gesprochen, um verrichtete Arbeit in der dazu benötigten Zeit. In Bezug auf den Menschen ist mir dies jedoch zu eindimensional und bringt mich bei der Frage, was ich genau trainieren sollte, auch nicht unbedingt weiter.

Die beste Antwort, was Fitness denn sei, habe ich bisher von CrossFit gehört. Das Fitness-System hat mehrere Modelle von Fitness. Die beiden folgenden gefallen mir am besten.

Nach dem ersten Modell gibt es 10 allgemeine, physische Fähigkeiten. Du bist also so fit, wie gut ausgebildet deine Fähigkeiten in der Gesamtheit dieser 10 physischen Fähigkeiten sind.


Die 10 physischen Fähigkeiten


1.) Kardiovaskulärer Ausdauer (Cardiovascular endurance)
Die Fähigkeit des Körpers, Sauerstoff zu sammeln, zu transportieren und zu verwenden.

2.) Durchhaltevermögen/Ausdauer (Stamina)
Die Fähigkeit des Körpers, Energie zu sammeln, bereitzustellen, und zu speichern. Es geht also um die Fähigkeit, eine bestimmte Belastung über einen möglichst langen Zeitraum aufrecht zu erhalten.

3.) Kraft (Strength)
Die Fähigkeit der Muskulatur, Kraft auszuüben.

4.) Beweglichkeit (Flexibility)
Die Fähigkeit des Körpers, eine bestimmte Bewegungsreichweite (Range of Motion) in einem Gelenksystem zu erreichen.

5.) Explosivität (Power)
Die Fähigkeit der Muskulatur, eine maximale Kraft in minimaler Zeit auszuüben.

6.) Geschwindigkeit (Speed)
Die Fähigkeit des Körper, zyklische Bewegungen in minimaler Zeit auszuüben.

7.) Koordination (Coordination)
Die Fähigkeit des Körpers, mehrere kleine Bewegungseinheiten zu einer einzelnen, größeren Bewegung zu verbinden und auszuführen.

8.) Agilität (Agility)
Die Fähigkeit des Körpers, den Wechsel zwischen zwei Bewegungen zu minimieren.

9.) Balance (Balance)
Die Fähigkeit des Körpers, die Position des Körperschwerpunktes in Bezug zu seinem Ankerpunkt zu kontrollieren.

10.) Präzision (Accuracy)
Die Fähigkeit des Körpers, eine Bewegung in eine bestimmte Richtung oder in einer bestimmten Intensität zu kontrollieren.


Um möglichst fit zu sein, sollte man möglichst alle 10 physischen Fähigkeiten trainieren und sich nicht nur auf einzelne spezialisieren. Das heißt nicht, dass du mit der Entwicklung aller Fähigkeiten gleich viel Zeit aufwenden musst. Selbstverständlich kann man einzelne priorisieren. Vor allem geht es aber darum, dass du keine der Fähigkeiten völlig vernachlässigst. Bei einem Fitnesstraining sollte dies berücksichtigt und das Training entsprechend gestaltet werden.

In der Praxis sieht es leider anders aus. Oft werden nur 1 Sportart bzw. nur wenige physische Fähigkeiten berücksichtigt. Ein gutes Beispiel ist ein typischer Marathon-Läufer, der lediglich regelmäßig und viel Laufen geht. Zum Glück implementieren schon viele Läufer ein unterstützendes Kraft- sowie Beweglichkeilstraining in ihr Trainingsprogramm. Denn so können sie ihre Leistung im Laufen verbessern und und beugen Verletzungen vor.

Das heißt, nicht nur reines Ausdauertraining, sondern auch Krafttraining integrieren und am Wochenende auch mal Tischtennis und andere Sportarten ausprobieren oder sich mal am Klettergerüst vom nahegelegenen Spielplatz versuchen. (siehe auch: Jetzt sitzt doch endlich mal still)


Das Sickness-Wellness-Fitness-Kontinuum

Das zweite Modell ist für mich als Gesundheitsmanager besonders interessant. Demnach sind Krankheit, Wohlbefinden und Fitness alles Ausprägungen einer einzelnen Entität: Gesundheit. Das klingt irgendwie vertraut: Was ist Gesundheit?

Sickness-Wellness-Fitness-Kontinuum

Ich war sehr erstaunt, als ich zum ersten mal etwas über dieses Modell gelesen habe. Es deckt sich direkt mit meiner Vorstellung! Wenn es richtig praktiziert wird, vermindert Fitnesstraining das Auftreten von vielen Krankheiten und lässt die eigene Gesundheit nur so aufblühen. Demnach lässt sich Fitness als „Super-Wellness“ bezeichnen.

Wobei sich im Einzelfall selbstverständlich darüber streiten lässt, inwiefern ein intensives Training und die damit einhergehende Belastung des Körpers - insbesondere des passiven Bewegungsapparats - noch gesundheitsfördernd ist. Nichtsdestotrotz: es sollte jedem klar sein, dass ein Mindestmaß an Fitness für jeden erstrebenswert ist.

Simon Schubert
 

Als studierter Gesundheitsmanager und Gründer von Perspektive Gesundheit unterstütze ich Menschen bei der Umsetzung einer gesunden Lebensweise.

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