Was ist Gesundheit? Eine Sache der Definition

Was ist Gesundheit? Einen Marathon laufen?

Wenn Menschen über das Thema Gesundheit sprechen, machen sich die wenigsten darüber Gedanken, was Gesundheit überhaupt ist. Ist es überhaupt wichtig, sich die Frage 'Was ist Gesundheit?' zu stellen?

Meiner Meinung nach schon. Ansonsten ist es so, als würden zwei Personen sich über eine Fernsehserie unterhalten, ohne sich zu erzählen, über welche sie gerade sprechen. Mit etwas Glück sprechen beide Personen über die gleiche Serie. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass beide jeweils über eine andere Serie sprechen. Dass dabei schnell Missverständnisse entstehen können, ist wohl offensichtlich.


Was ist Gesundheit?

Eine Definition der WHO (World Health Organization) lautet wie folgt:

“Gesundheit ist ein positiver funktioneller Gesamtzustand im Sinne eines dynamischen biopsychologischen Gleichgewichtszustandes, der erhalten bzw. immer wieder hergestellt werden muss.”
— WHO

Das klingt ja wirklich ganz nett, aber was heißt das jetzt?

Gesundheit ist also nichts Starres, sondern sich ein ständig verändernder Gleichgewichtszustand. Sie ist abhängig von biologischen, psychischen und sozialen Faktoren. Außerdem ist sie nicht selbsterhaltend, sondern wir müssen dafür aktiv etwas tun.

Die Vorstellung die viele Leute von Gesundheit haben, ist mir meist viel zu pathologisch und negativ. Besonders die Trennung der Zustände in gesund und krank hat mir noch nie zugesagt. Ist jemand mit einer körperlichen Beeinträchtigung etwa immer gleich krank?


Salutogenese-Modell

Aaron Antonovsky hat mit seinem Salutogenese-Modell eine interessante Sichtweise:

Gesundheit und Krankheit lassen sich nicht klar trennen. Viel mehr befinden wir uns auf einem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum, auf dem wir ständig die Position wechseln. Wir sind also weder ganz gesund noch krank, sondern mal mehr näher am Endpunkt Gesundheit oder eben weiter davon entfernt. Wo wir uns gerade befinden, hängt von biologischen, psychologischen, sozialen oder ökologischen Faktoren, die auf uns einwirken, ab. Außerdem verfügen wir über Schutz- und Risikofaktoren, die die auf uns einwirkenden Faktoren mindern oder verstärken können.

Gesundheits-Krankheits-Kontinuum

Schutzfaktoren mindern nicht nur die negativen Wirkungen von Risiken, sondern haben auch einen direkten Einfluss auf das Wohlbefinden des Individuums.

Risikofaktoren:

  • Rauchen
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Ungesunde Ernährung
  • Niedriges Bildungsniveau der Eltern
     

Schutzfaktoren:

  • Überdurchschnittliche Intelligenz
  • Positive Selbstwahrnehmung
  • Emotionale Unterstützung
  • Gesunde Ernährung
  • Regelmäßig Bewegung/Sport


Gesundheit ist jedoch noch so viel mehr ...


Letztendlich ist Gesundheit jedoch subjektiv. Menschen haben unterschiedliche Ansprüche an die eigene Funktionsfähigkeit. Also inwiefern sie sich in bestimmten Lebensbereichen entfallen können und wozu sie fähig sein wollen. Wir sollten stets bedenken, dass unser Gegenüber vielleicht eine andere Definition von Gesundheit hat, als wir selber. Viel wichtiger ist jedoch, dass Gesundheit von vielen verschiedenen Faktoren abhängt. Und auf viele von ihnen haben wir einen großen Einfluss.

Vielleicht wird es Zeit, dass du deine eigene Definition von Gesundheit überdenkst und dich dann daran machst, dich auf dem Krankheit-Gesundheits-Kontinuum weiter Richtung Gesundheit zu bewegen. 

Über den Autor

Simon M.C. Schubert

Simon Schubert ist studierter Gesundheitsmanager, Personal Trainer und Präventionsexperte.


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